Neue Standards für die smarte Elektroinstallation

Der Smart-Home-Markt steckt voller Insellösungen und Inkompatibilitäten. Die neuen Kommunikationsstandards Matter und Thread können das nicht nur ändern, sondern bieten Elektroinstallateuren außerdem die Chance, wieder zur zentralen Instanz für smarte Gebäudetechnik zu werden.

Textquelle: Wago Contact SA, Bilder: zVg

Die moderne Elektroinstallation ist im Wandel. Wo früher Schalter, Steckdosen und fest verdrahtete Systeme dominierten, erwarten Kunden nun vernetzte, erweiterbare und plattformübergreifende Lösungen. Gleichzeitig hat sich der Markt für Smart-Home-Produkte über Jahre hinweg fragmentiert. Verschiedene Geräte konkurrieren nebeneinander, viele sind proprietär, einige Cloud-gebunden und andere wiederum nur eingeschränkt kompatibel. Die Folge: Aufwendige Inbetriebnahmen, unsichere Konfigurationen und ein wachsender Frust auf Nutzerseite.

Zwei neue Technologien sollen das nun ändern: Matter und Thread. Matter ist ein neuer Standard für die Kommunikation zwischen smarten Geräten, Thread ein zugrundeliegendes Funknetzwerk. Beide verfolgen das Ziel, die Interoperabilität in der Gebäudeautomation neu zu definieren. Entwickelt wurden sie unter Federführung der Connectivity Standards Alliance (CSA) mit prominenter Beteiligung von Apple, Google, Amazon, Samsung und über 500 weiteren Mitgliedern. Gemeinsam sollen sie eine offene, stabile und einfach nutzbare Infrastruktur schaffen, die auch für Fachbetriebe attraktiv ist.

Manfred Lehmann-Wago
Manfred Lehmann,
Marketing- und Digitalisierungsleiter
bei der Wago Contact SA in Domdidier

Manfred Lehmann, Marketing- und Digitalisierungsleiter bei der Wago Contact SA in Domdidier, weiß, warum sich gerade Elektroinstallateure mit dieser Entwicklung auseinandersetzen sollten. «Wenn ein Gebäude vom Keller bis zum Dach intelligent sein soll, müssen wir lernen, diese Systeme vertikal zu integrieren», sagt er und meint damit eine durchgängige Kommunikation zwischen den verschiedenen Ebenen und Zonen eines Gebäudes: von der technischen Infrastruktur im Untergeschoss über die fix installierten Komponenten bis hin zu den mobilen, vom Nutzer mitgebrachten Geräten.

Diese vertikale Integration war bisher kaum möglich. Das Smart Home hingegen ist geprägt von Vielfalt: Leuchten, Sprachassistenten und Zwischenstecker werden sehr häufig unkoordiniert in Betrieb genommen. Matter verbindet diese verschiedenen Welten, da es entsprechend zertifizierte Geräte unabhängig von Hersteller oder Plattform integriert. Thread sorgt als Funkprotokoll dafür, dass diese Geräte sicher und energieeffizient miteinander kommunizieren.

Zentrale Steuerung trifft auf dynamische Vielfalt

Matter zielt darauf ab, eine Brücke zwischen stabilen, immobilen Systemen sowie lebendigen, mobilen Smart-Home-Umgebungen zu schlagen. In der Praxis bedeutet das: Geräte diverser Hersteller, Bauart und Funktion sollen über eine gemeinsame Sprache verfügen – und zwar unabhängig davon, ob sie zur Haustechnik gehören oder vom Bewohner mitgebracht wurden. Das eröffnet neue Möglichkeiten für eine modulare Planung und spätere Erweiterbarkeit, ohne dass ganze Systeme ersetzt werden müssen.

Die Idee dahinter ist einfach: Ein Gebäude besteht aus drei technischen Zonen. Erstens die Infrastruktur, also Schaltschrank, Energiemanagement, Wärmepumpe oder Photovoltaikanlage. Zweitens die fest verbaute Gebäudetechnik, zu der unter anderem die Grundbeleuchtung, Rollläden oder Wandtaster gehören. Drittens die mobile Ebene, die typischerweise vom Nutzer mitgebracht und bei einem Umzug wieder mitgenommen wird. Dazu zählen beispielsweise Geräte wie Leuchten, Steckdosenadapter und Sprachassistenten.

In Lehmanns Vision übernimmt Matter die Funktion eines übergreifenden Protokolls, das diese drei Zonen logisch und sicher miteinander verbindet. Thread sorgt als darunterliegendes Mesh-Netzwerk für die Kommunikation: Jeder netzversorgte Knotenpunkt dient als Repeater und erweitert das Netz. Die Verbindung zur Aussenwelt, etwa für Fernzugriffe, wird über einen zentralen Matter-Controller hergestellt. Im Alltagsbetrieb ist das System jedoch lokal autonom und funktioniert auch ohne Internetzugang.

Besonders spannend ist dabei die Multi-Admin-Fähigkeit: Mehrere Benutzer oder Plattformen, etwa iOS und Android, können gleichzeitig auf dasselbe Matter-Netzwerk zugreifen. Das macht die Steuerung flexibel und ermöglicht zugleich eine einfache Koexistenz verschiedener Nutzergewohnheiten im selben Haushalt. Der Vater steuert das Licht mit Siri, die Tochter nutzt Google Home und der Sohn bedient die Heizungszonen über eine Drittanbieter-App – und alle greifen auf dieselbe technische Basis zu.

Aus Sicht des Elektrohandwerks ergeben sich dadurch neue Chancen: Statt sich zwischen proprietären Insellösungen entscheiden zu müssen, können Installateure künftig auf einen einheitlichen Standard setzen. Damit haben sie die Gewissheit, dass spätere Erweiterungen durch den Nutzer oder andere Gewerke technisch möglich und sicher integrierbar sind. So wird der Elektriker vom Verkäufer von Steuerungspaketen zum Integrator offener, zukunftssicherer Systeme.

Marktentwicklung, Gerätevielfalt und neue Aufgaben

Die Marktdynamik bestätigt den Trend: Seit Veröffentlichung der ersten Matter-Spezifikation im Oktober 2022 steigt die Anzahl zertifizierter Geräte kontinuierlich. Unterstützt werden zunächst typische Anwendungen wie Lichtsteuerung, Jalousien, Steckdosen oder Türschlösser. Mit Version 1.4, die Anfang 2025 erschienen ist, sind nun auch Energiemanagementsysteme, Wechselrichter, E-Ladestationen und Wärmepumpen im Standard abgedeckt – zumindest theoretisch. In der Praxis hinkt der Gerätebau hinterher. Hersteller müssen ihre Produkte erst anpassen, entwickeln und zertifizieren lassen, was je nach Produktkategorie noch mehrere Jahre dauern kann.

Manfred Lehmann warnt hierbei vor überzogenen Erwartungen: «Die Integration bei Infrastrukturkomponenten wie PV-Wechselrichtern braucht wegen der Komplexität und den hohen Sicherheitsanforderungen Zeit.» Trotzdem zeigen erste Hersteller, wie es gehen kann: Aktoren und Taster mit Matter- oder Thread-Zertifizierung sind bei Grossisten bereits erhältlich. Kleine Spezialanbieter entwickeln indes innovative Zwischenlösungen, die herkömmliche Systeme Matter-kompatibel machen. Ein erklärtes Ziel dabei: Matter soll nicht nur für Neubauten interessant sein, sondern auch gezielt im Bestand nachgerüstet werden können.

Damit gewinnen Elektroinstallateure an Einfluss, nicht zuletzt deshalb, weil sie als zentrale Instanz zwischen Hardware, Protokoll und Nutzung stehen. Der Standard befreit sie von der Pflicht, sich auf einzelne Hersteller zu spezialisieren. Stattdessen eröffnet sich ein offenes Ökosystem, das durch Ausbildung, Erfahrung und strategische Beratungskompetenz aktiv mitgestaltet werden kann.

«Die Geräte mögen smarter werden, aber sie brauchen jemanden, der sie sinnvoll integriert. Genau da liegt die große Chance für unser Gewerbe», betont Manfred Lehmann. Wenn Matter hält, was es verspricht, wird der Installateur nämlich vom Anschlussprofi zum Architekten digitaler Gebäudeintelligenz. Dies sorgt für ein neues Selbstverständnis und klarer, fachlicher Relevanz.

Kompetenz sichern, Zukunft gestalten

Ein zentraler Erfolgsfaktor wird die Weiterbildung sein. Denn mit der technischen Öffnung durch Matter und Thread wächst auch der Anspruch an Beratung und Umsetzung. Erste Anbieter wie Eco2Friendly oder unabhängige Fachtrainer wie Erik van Doorn bieten heute schon gezielte Schulungen zu Matter-Systemen an. Weitere Akteure dürften folgen, sobald der Markt größer wird. Für Elektrofirmen eröffnet sich dadurch nicht nur technisches Neuland, sondern eine Chance zur Positionierung als kompetente Partner in der digitalen Gebäudetechnik.

Fürs Elektro-Handwerk bedeutet das, sich frühzeitig mit den Grundlagen der neuen Standards auseinanderzusetzen; nicht zuletzt, weil viele Endkunden bereits heute Matter-fähige Produkte im privaten Umfeld nutzen. Der klassische Weg, in dem Systeme exklusiv über den Elektriker laufen, ist Vergangenheit. Vielmehr gilt es, sich mit dem nötigen Fachwissen, der richtigen Infrastruktur und einem klaren Verständnis für übergreifende Integration als vermittelnde Instanz zwischen Nutzer, Technik und Systemlogik zu etablieren. Denn eines ist sicher: Wer Matter-fähige Systeme integrieren kann, gewinnt an Unabhängigkeit.

Matter und Thread

Matter ist ein herstellerunabhängiger Standard für Smart-Home-Geräte und wurde von der Connectivity Standards Alliance entwickelt. Er ermöglicht unabhängig von Cloud-Diensten eine sichere, lokale Kommunikation zwischen Geräten verschiedener Hersteller. Thread ergänzt Matter als technologische Grundlage für eine stabile und energieeffiziente Kommunikation. Technologisch handelt es sich um ein IP-basiertes Funknetzwerk für smarte Geräte, das auf dem Mesh-Prinzip basiert, bei dem jedes netzversorgte Gerät als Repeater dient. Damit reduzieren die beiden Technologien die Komplexität und erhöhen zugleich die Kompatibilität. Für Elektroinstallateure entstehen damit neue Chancen in Beratung, Planung und Umsetzung smarter Gebäude.

Die Entscheidung für bestimmte Plattformen, Marken oder Hersteller tritt dabei in den Hintergrund. Viel entscheidender ist zukünftig die Fähigkeit, stabile, sichere und vor allem erweiterbare Lösungen zu schaffen. Das bringt eine neue Professionalität in den Markt und stärkt die Rolle des Elektroinstallateurs in einem Bereich, der lange von Softwareanbietern und Gadget-Herstellern dominiert war.

Noch sind nicht alle Fragen beantwortet. Wie schnell werden zentrale Hersteller ihre Infrastrukturprodukte anpassen? Welche Rolle spielen nationale Normen und Sicherheitsvorgaben? Wie reagieren Bauherren, Architekten und Planer auf die Möglichkeiten? Doch eines ist klar: Die technische Grundlage ist gelegt. Wer sich jetzt vorbereitet, wird in den kommenden Jahren eine entscheidende Rolle spielen; nicht nur bei der Umsetzung, sondern auch bei der Gestaltung der smarten Gebäude von morgen.

Textquelle: Wago Contact SA, Technische Rundschau.ch Bilder: zVg

Elektroinstallation: Vorschriften für die Verlegung in Hohlräumen

In einem Installationshohlraum können elektrische Leitungen verlegt werden, ohne etwas zu beschädigen. Es müssen keine Schlitze gegraben und anschließend wieder verschlossen werden… Das bedeutet jedoch nicht, dass man dabei beliebig vorgehen und beliebige Materialien verwenden kann!

Ausgewählte Kabel und Leitungen

qr elec vides de construction 3 300x225 - Elektroinstallation: Welche Vorschriften gelten für die Verlegung in Hohlräumen?

Diese Abdeckung schützt vor Brandgefahren beim Einbau von Einbaustrahlern in abgehängten Decken oder Dachböden. Sie wird aus exfoliertem Vermiculit geformt und ist mit allen Dämmstoffarten kompatibel: Platten, Rollen oder Schüttdämmung. © Protect’Spot® by Soprema

Die Vorschriften erlauben das direkte Verlegen von Stromkabeln in einem Installationshohlraum, sofern diese doppelt isoliert sind. Dies betrifft starre Leiterkabel vom Typ FR-N05 (VV-U, VV-R) oder U-1000 R2V sowie deren flexible Ausführung H05 VVF. Alternativ können auch klassische, ummantelte starre Leiter vom Typ H07 (V-U, R oder K) verwendet werden. Zulässig sind ausschließlich Leitungen oder Schutzrohre, die keine Flammen weiterleiten : ICA- oder ICTA-Rohre in Grau, Schwarz oder Blau … Orangefarbene ICTL- oder ICTA-Rohre sind verboten.

Stets zugängliche Verbindungen

Elektrische Leitungen müssen im Installationshohlraum stets in einem durchgehenden Stück verlegt werden. Verbindungen dürfen ausschließlich in Anschluss- oder Abzweigdosen hergestellt werden, deren Abdeckung sichtbar und zugänglich bleibt. An unzugänglichen Stellen – etwa wenn man dafür eine Wand oder eine abgehängte Decke aufbrechen müsste – sind solche Verbindungen untersagt. Werden Einbaustrahler in einer abgehängten Decke montiert, ist zudem darauf zu achten, einen Sicherheitsabstand zwischen den wärmeerzeugenden Teilen der Leuchte und den angrenzenden Materialien einzuhalten.

Hinweis

Wie bei jeder elektrischen Installation in Wohnräumen gelten die Vorgaben der Norm NF C 15-100. Die jüngsten Änderungen zur Sicherheit elektrischer Anlagen und zu Kommunikationsnetzen in Wohngebäuden sind seit dem 1. September 2016 in Kraft (Verordnungen vom 3. August 2016).

Autor:  Michel Berkowicz

Titelbild: © Knauf Insulation – Es ist möglich, elektrische Kabel durch einen Hohlraum zu verlegen.

Textquelle: Futura-sciences

KNX-RF-Sensor ohne BUS-Leitung

B.E.G. stellt den »PD2N-RF-KNXs-DX-DE« vor, den laut Unternehmen ersten hochwertigen KNX-Sensor mit Funkübertragung (Radio Frequenz – RF). Das Gerät ermöglicht die Steuerung von Beleuchtung, Heizung, Lüftung, Klimatisierung und Komforteinstellungen ohne physikalische BUS-Leitung über den KNX-RF-Standard.

In Bestandsgebäuden bedeutete die Anbringung von KNX-Sensoren bislang das Aufstemmen von Wänden und Decken, das Verlegen von KNX-Busleitungen und anschließende Verputzarbeiten. Der neue Sensor macht diese zeitaufwendigen und kostenintensiven Arbeiten überflüssig.

Vorhandene konventionelle Präsenzmelder können durch einen Melder mit KNX-Kommunikation ersetzt werden. Die üblichen drei Drähte reichen für Spannungsversorgung und Lichtsteuerung aus. Die KNX-Übertragung erfolgt über die Mittelfrequenz 868,3 MHz mit guter Durchdringung von Materialien und Baustoffen.

Integriertes Relais und bidirektionale Kommunikation

Ein integrierter Relaiskanal kann zusätzliche Schaltaktionen ausführen, beispielsweise zur Aktivierung vorhandener HLK-Anlagen über die Anwesenheit von Personen. Über den KNX-RF Unterputz-Schaltaktor »SA1-230/16/H/RF-KNXs« lassen sich weitere Schaltaktionen per Funk auslösen.

KNX RF ist ein bidirektionales Funksystem, bei dem Geräte innerhalb einer RF-Linie unabhängig voneinander kommunizieren. Mit einem TP/RF Medienkoppler »LK-RF/KNXs« wird die Funkversion mit der klassischen KNX BUS-Version verbunden.

Umfangreiche Sensorik und HCL-Steuerung

Der Präsenzmelder hat einen Erfassungsbereich von 10 Metern Durchmesser. Zwei Lichtsensoren liefern auch bei schwierigen Beleuchtungssituationen Ergebnisse. Neben Infrarotstrahlung und Lichtverhältnissen erfassen integrierte Temperatur- und Akustiksensoren auch Raumtemperaturen und Geräusche.

Das Gerät verfügt über eine integrierte HCL-Steuerung mit drei Standard-Lichtkurven für Schul-, Industrie- oder Büroanwendungen. KNX Secure bietet Sicherheit gegen unerwünschte Manipulationen.

Flexible Montage in vier Farbvarianten

Die Standard-Deckeneinbauversion kann über Zubehör für Unterputz-, Aufputz- und Wandmontage angepasst werden. Das Gerät ist in vier Farbvarianten verfügbar: Reinweiß, Verkehrsweiß, Anthrazit und Schwarz.

Die Inbetriebnahme der RF-Geräte erfolgt wie bei TP-Geräten mit der ETS. Der Sensor eröffnet neue Möglichkeiten für die Integration von KNX in Bestandsgebäude.

Gira erweitert Geschäftsführung

Gira erweitert Geschäftsführung

Der Gebäudetechnikspezialist Gira hat Hanno Froese zum 1. Januar 2026 als vierten Geschäftsführer berufen. Er übernimmt die Verantwortung für Produktion, Logistik, Einkauf und Supply Chain Management. Froese wechselt von ebm-papst Landshut, wo er die globale Division Heiztechnik leitete.

Seit dem 1. Januar 2026 komplettiert Hanno Froese  die Geschäftsführung von Gira
Seit dem 1. Januar 2026
komplettiert Hanno Froese
die Geschäftsführung
von Gira (Bild: Gira)

Die Geschäftsführung von Gira erweitert sich damit auf vier Mitglieder: Neben Froese führen Christian Feltgen (Entwicklung und Produktmanagement), Dominik Marte (Marketing und Vertrieb) und Sebastian Marz (IT und Organisation, Finanzen und Controlling, Human Resources) das Unternehmen.

Der neue Geschäftsführer bringt 25 Jahre Erfahrung in der Leitung von Produktionsbereichen mit. Zuletzt arbeitete Froese als Vice President Operations and Integrated Supply Chain bei ebm-papst Landshut, wo er seit Juli 2023 die Fertigung und das Lieferkettenmanagement von sechs internationalen Werken der Division Heiztechnik verantwortete.

Zuvor durchlief der Wirtschaftsingenieur verschiedene Führungspositionen bei Industrieunternehmen. Seine Laufbahn umfasste Stationen als Werksleiter und Geschäftsführer bei der Hilti AG, der Jungheinrich AG und der Swisspearl Group.

www.gira.de

DMX-Geräte in KNX integrieren

Professionelle Lichttechnik trifft Gebäudeautomation: Mit einem KNX-DMX-Gateway lassen sich DMX-Leuchten nahtlos in die KNX-Installation einbinden. Wir zeigen, wie die Verbindung funktioniert und worauf Sie bei Adressierung und Parametrierung achten müssen.

Bevor wir den praktischen Aufbau starten, lohnt sich ein Blick auf die Grundlagen von DMX – denn das Verständnis des Bussystems ist entscheidend für eine stabile Installation.

DMX-Grundlagen

Bild 1: Kompaktes KNX-DMX-Gateway von Weinzierl für die Verbindung beider Systeme
Bild 1: Kompaktes KNX-DMX-Gateway von Weinzierl für die Verbindung beider Systeme(Bild: Weinzierl)

DMX steht für »Digital Multiplex« und ist ein Standard zur Ansteuerung von Lichttechnik. Der Grundgedanke: Viele Leuchtmittel über einen robusten Bus steuern. Die Geräte sind in Reihe geschaltet, intern verhält sich der Bus wie ein langes Schieberegister. Die Datenübertragung erfolgt über RS485 – asynchron, seriell und differenziell. Das Signal liegt auf zwei Leitungen: einmal im Originalzustand, einmal invertiert. Diese Technik sorgt für hohe Störsicherheit, da äußere Einflüsse das Nutzsignal kaum verfälschen. Theoretisch sind Leitungslängen bis 1,2 km möglich. Standardmäßig arbeitet DMX mit 250 KBit/s. Bei kurzen Strecken sind höhere Datenraten machbar, z. B. 10 MBit/s auf 10 m. Die Spannungspegel liegen bei ±5 V.

Ein DMX-Netzwerk besteht aus Strängen mit bis zu 32 Geräten. Verzweigungen sind über Splitter möglich, Reichweiten lassen sich mit Repeatern erhöhen. Die Verbindung erfolgt meist über robuste dreipolige XLR-Stecker. In einem DMX-512-Netzwerk stehen 512 Adressen zur Verfügung. Je nach Kanalbedarf eines Geräts variiert die Anzahl der möglichen Teilnehmer. DMX wird vor allem in der Bühnen- und Außenbeleuchtung genutzt, wo schnelle Schalt- und Dimmvorgänge gefragt sind.

Die eingesetzte DMX-Leuchte

Zur Veranschaulichung nutzen wir eine Leuchte mit acht Kanälen, die wir bei Amazon bestellen [www.amazon.de → »Lixada-90-240V« in das Suchfenster eingeben → einzelne Leuchte auswählen]. Im DMX-Umfeld sind »Adresse« und »Kanal« synonym. Die Startadresse legt fest, welche Adressen belegt werden. Beispiel: Startadresse 1 bedeutet, die Leuchte nutzt die Adressen 1 bis 8. Eine zweite Lampe würde bei Adresse 9 beginnen (vgl. Tabelle 1).

Tabelle 1: Kanäle der DMX-Leuchte
KanalFunktionWertebereich
1Dimmer alle Farben0 – 255
2Dimmer Rot0 – 255
3Dimmer Grün0 – 255
4Dimmer Blau0 – 255
5Dimmer Weiß0 – 255
6Stroboskop0 – 255
7Ein- und Ausblenden des Sound-Modus0 – 250 /
251 – 255
8Geschwindigkeit für die in Kanal 7 ausgewählten Funktionen0 – 255

Tipp: Prüfen Sie die Anleitung Ihres Geräts, da die Kanalbelegung herstellerspezifisch ist. Die Lampe verfügt über DMX-Ein- und Ausgang, alle Geräte werden in Reihe verbunden. Die Spannungsversorgung erfolgt über eine Steckdose.

Das eingesetzte Gateway

Für den Testaufbau verwenden wir das KNX-DMX-Gateway 544 (Bild 1) der Firma Weinzierl [Datenblatt DMX-Gateway → www.weinzierl.de → »544« in das Suchfenster eingeben]. Das Gateway unterstützt das DMX-512-Protokoll sowohl als Master wie auch als Slave. Dabei stehen uns bis zu 64 frei konfigurierbare Kanäle zur Verfügung. Die Kanäle können als Dimm-Kanäle oder RGB-/RGBW-Kanäle verwendet werden. Zusätzlich stehen im Gateway vier Sequenzer zur Verfügung, um komplexere Aufgaben auszuführen.

Für die Spannungsversorgung des Gateways wird eine Hilfsspannung zwischen 12 V und 24 V Gleichspannung benötigt. Die Stromaufnahme aus der Hilfsspannungsquelle beträgt dabei ca. 5 mA. Das Gateway nimmt vom KNX-Bus ca. 4 mA auf. Über drei farbige LEDs zeigt das Gerät an, in welchem Betriebsmodus es sich gerade befindet. Mit zwei Tastern können einfache Einstellungen vorgenommen werden. Um das Gateway in den Programmiermodus zu versetzen, müssen beide Taster gleichzeitig oder die versenkte Programmiertaste gedrückt werden.

Vom Gateway zum Licht: So gelingt der Testaufbau

Bild 2: Beispielhafter Testaufbau mit DMX-Leuchte und KNX-Steuerung
Bild 2: Beispielhafter Testaufbau mit DMX-Leuchte und KNX-Steuerung(Bild: M. Mohr)

Für den Test verwenden wir den schon bekannten Versuchsaufbau aus den früheren Beiträgen. Dieser wird lediglich um das DMX-Gateway erweitert. Das Gateway benötigt eine zusätzliche externe Spannungsquelle. Hierfür verwenden wir die 24 V aus dem vorhandenen Netzteil. Die DMX-Leuchte wird über das Gateway an den DMX-Bus angeschlossen (Ausgang A, B, -). Die Ansteuerung der Lampe wird über die vorhandenen Taster geschehen. Zusätzliches steuern wir die DMX-Leuchte noch über die Visualisierung des vorhandenen KNX-IP-Gateways an. Die Visualisierung zeigt uns auch den aktuellen Status der Leuchte an. Den Testaufbau inklusive der DMX-Leuchte sehen Sie in Bild 2.

Das ETS-Projekt

Wir starten mit einem neuen ETS Projekt und fügen über den Gerätekatalog die Geräte hinzu, die wir aus dem Testaufbau verwenden wollen. Hierbei ist zu beachten, dass die meisten Geräte schon eine physikalische Adresse haben, die wir weiter verwenden können. Lediglich das DMX-Gateway benötigt eine neue physikalische Adresse. Wenn Sie KNX-Secure-Geräte hinzufügen, wird sich ein Dialog zum Setzen eines Projektpasswortes öffnen. Klicken Sie hier bitte auf »Abbrechen«. Es ist nicht nötig ein Secure Projekt aufzusetzen, um ein DMX-Gateway zu testen.

Nachdem wir alle Geräte dem Projekt hinzugefügt haben, starten wir mit der Parametrierung der einzelnen Geräte. Den Anfang macht das o.a. Weinzierl-Gateway. Es ist sehr flexibel und kann für viele unterschiedlichen Anwendungsfälle rund um DMX eingesetzt werden. Daher hat es auch extrem viele Einstellungen. Er würde den Rahmen dieses Artikels sprengen auf alle detailliert einzugehen. Daher beschränken wir uns auf die für dieses Projekt wichtigen Parameter. Falls Sie weitere Informationen benötigen, ist das Handbuch die beste Quelle.

Bild 3: Hinzufügen eines Dimmer-Kanals
Bild 3: Hinzufügen eines Dimmer-Kanals (Bild: M. Mohr)

Im Bereich »DMX-Einstellungen« des Parameter Tabs fügen wir, wie es in Bild 3 zu sehen ist, einen Dimmerkanal hinzu. Der Dimmerkanal wird direkt auf dem Parameterreiter angezeigt. Hier wählen wir für den »Dimmer 1« als »Benutzte DMX-Kanäle« den Kanal 1 und 5 aus (Bild 4). Diese beiden Kanäle entsprechen den Dimm-Funktionen der Leuchte (globaler Kanal und Kanal für weißes Licht). Beim Setup des Gateways ist es enorm wichtig, genau zu wissen, welche DMX-Funktionen welche Adresse/Kanal haben. Sie könnten hier auch die Kanäle von unterschiedlichen Lampen zusammenfassen, um spezielle Lichteffekte zu erzeugen.

Tipp zur Fehleranalyse: Wenn Sie nicht wissen, welche Adressen die DMX Geräte haben oder der Aufbau nicht funktioniert, können Sie zu diesem Schritt zurückkehren. Wenn bei einem einzigen Dimmer-Kanal 1-512 eingegeben wird, wird auf allen DMX-Adressen der gleiche Wert gesendet. So kann man Fehler leichter eingrenzen. Funktioniert es so, war die Adresse vermutlich falsch, funktioniert dies auch nicht, ist oft ein Fehler in der Verkabelung vorhanden. Es passiert häufiger, dass die zwei DMX-Datenleitungen vertauscht sind.

Bild 4: Auswählen der Adressen
Bild 4: Auswählen der Adressen (Bild: M. Mohr)

Das DMX-Gateway erzeugt alle für einen KNX-Dimmer üblichen Kommunikationsobjekte. Das bedeutet, wir benötigen zur Ansteuerung drei Gruppen (Schalten, relativ Dimmen, Status) denen wir die Objekte zuordnen. Zusätzlich gibt es noch ein Kommunikationsobjekt, mit dem man absolute Werte in den Dimmer schreiben kann. Dies bietet uns eine zusätzliche Möglichkeit die Lampe anzusteuern.

Bild 5: Einen Taster als Dimmer parametrieren
Bild 5: Einen Taster als Dimmer parametrieren (Bild: M. Mohr)

Die Taster werden als Dimmer parametriert (Bild 5) und über die passenden Gruppen mit dem DMX-Gateway verbunden. Kommen wir jetzt zum Setup des KNX-IP-Gateways. Bitte wählen Sie für die Visualisierung einen Dimmer mit Status aus (Bild 6). Anschließend verbinden Sie die Kommunikationsobjekte mit den entsprechenden Gruppen. Nach dem Programmieren können wir die Lampe über die Visualisierung des 777 ansteuern und sehen auch die aktuelle Helligkeit der Lampe.

Bild 6: Visualisierung im IP-Gateway aktivieren
Bild 6: Visualisierung im IP-Gateway aktivieren (Bild: M. Mohr)

Sind alle Änderungen durchgeführt, laden wir das Programm in die Installation. Bitte beachten Sie hierbei, dass unser Gateway eine physikalische Adresse bekommt. Das bedeutet, Sie müssen die Programmiertaste drücken, wenn die ETS Ihnen die entsprechende Meldung gibt. Wie immer sollten Sie nach dem Programmieren einen Blick auf die oberste Ebene des Projektes werfen, um zu sehen, ob wirklich alle Komponenten ihr neues Programm erhalten haben.

Nun können wir unsere Installation testen. Betätigen Sie hierzu bitte die entsprechenden Taster und beobachten, wie sich die DMX Leuchte verhält. Nach diesen ersten Test können Sie sich mit dem Browser auf das KNX IP Gateway verbinden, um zu schauen, ob der Status wie erwartet aktualisiert wird (Bild 7). Die Adresse des IP Gateways wird im Display des Gateways eingeblendet. Falls Sie den Benutzernamen und das Passwort zum IP-Gateways nicht mehr wissen, können Sie diese Informationen im allgemeinen Bereich des Gateways in der ETS finden.

Bild 7: Visualisierung mit dem IP-Gateway
Bild 7: Visualisierung mit dem IP-Gateway (Bild: M. Mohr)

Fazit

DMX und KNX ergänzen sich ideal, wenn es um anspruchsvolle Lichtinstallationen geht. Mit einem passenden Gateway lassen sich beide Welten einfach verbinden – ob für Bühnenbeleuchtung, Außenanlagen oder dekorative Lichtkonzepte im Gebäude. Der gezeigte Aufbau verdeutlicht: Mit etwas Grundwissen zu Adressierung und Parametrierung ist die Integration schnell umgesetzt und eröffnet zahlreiche Möglichkeiten für kreative Lichtsteuerung.